VORTRÄGE

1. Zeitslot I 10.30 - 12.00 Uhr

"Musicking im Flüchtlingslager - Herausforderungen und Chancen eines neuen ethnographischen Feldes"
Eckehard Pistrick (Universität zu Köln, Institut für Europäische Musikethnologie)

Die Präsentation beschäftigt sich -ausgehend von eigener Feldforschung in einer Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge- mit den ethischen und emotionalen Herausforderungen musikethnologischer Arbeit in einem sich neu konstituierenden ethnographischen Feld, das sich durch ständigen Wandel und vielschichtige Formen des Wartens und der Abwesenheit charakterisiert. Dabei wird konkret auf ein kollaboratives Filmprojekt mit westafrikanischen Migranten eingegangen, das mitFormen der "beobachtenden Teilnahme" experimentiert.


„Meine Stimme ist meine Waffe. Musik, Nationalismus und der palästinensische Widerstand“
Julia Dröber

Kultureller Widerstand ist synonym mit palästinensischer Musik und Liedern seit der gewaltsamen Vertreibung vieler Palästinenser im Jahr 1948, was als "nakbah", Katastrophe, bezeichnet wird. Viele Komponisten und Sänger in der arabischen Welt nahmen die palästinensischen Krisen, Kriege und Aufstände in ihre Werke auf als Symbol des Kampfes und des Widerstandes gegen fremde Einflussnahme.​ Dieser Beitrag beleuchtet die Inhalte und Rollen solcher "Widerstands-Musik" und stellt sie in einen Zusammenhang von Fluchterfahrungen früher und heute.


2. Zeitslot I 13.00 - 14.30 Uhr

Musikalische Gemeinschaftsprojekte interkulturell – interreligiös – interdisziplinär: TRIMUM und Fugato
Bernhard König, Alon Wallach, Andreas Eckhardt

TRIMUM
ist ein europaweit einmaliges interreligiöses und interdisziplinäres Gemeinschaftsprojekt. Jüdische, christliche und muslimische Musikerinnen und Musiker, Theologinnen und Kantoren, Komponisten und Wissenschaftlerinnen suchen seit 2012 gemeinsam nach einer »Musik des Trialogs«. Zentraler Begegnungsort und klangliches Labor dieser Suche ist der TRIMUM-Chor: Ein Chor für Juden, Christen und Muslime. Trimum startete 2012 unter dem Dach der Internationalen Bachakademie Stuttgart. 2015 wurde ein eigener Trimum e.V. gegründet, der seine Aktivitäten überregional ausweitete und bereits im ersten Jahr seines Bestehens den renommierten „Bundespreis Kulturelle Bildung“ erhielt. Die Arbeitsprozesse und Ergebnisse sind inzwischen in verschiedenen Formen dokumentiert und publiziert worden. Weitere Informationen, Videos, Bilder, Texte: www.trimum.de


FUGATO - Wie klingt Zusammenleben?

Das Kooperationsprojekt »Fugato« gibt die Gelegenheit, die Arbeitsweise von Trimum unmittelbar auf ein wichtiges Thema der Gegenwart anzuwenden: auf die Begegnung mit Geflüchteten, die erst vor kurzer Zeit in unser Land gekommen sind. Fugato ist, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, in den Städten Esslingen, Reutlingen und Tübingen angesiedelt. Wichtigster Kooperationspartner ist - neben vielen anderen Akteuren und Unterstützern - die Württembergische Philharmonie Reutlingen. Ähnlich wie in den Anfangsjahren von Trimum betrachten wir auch dieses Projekt als eine Form von künstlerischer und soziokultureller »Grundlagenforschung«, lassen uns auf einen ergebnisoffenen und suchenden Prozess ein und erproben verschiedene Modelle der Begegnung und Interaktion. Konkret wurde in einem über einjährigen Prozess in verschiedenen Formaten Möglichkeiten zur musikalischen Begegnung zwischen Orchestermusikern und jungen, unbegleiteten Flüchtlingen (überwiegend aus Afghanistan) geschaffen. Die gemeinsame musikalische Arbeit mündete in das Konzert „10 Fabeln und ein Requiem für Orchester und Erzähler“ 2017. Inzwischen wurde auch in Ludwigsburg ein Fugato-Ensemble gegründet, verschiedene Workshops und Auftritte sind in Vorbereitung.


Afrikanische Kwela Musik zwischen Amerika und Eurpoa
Marc Benseler

Das 1971 erbaute Afrikahaus in Freiberg am Neckar dient bis heute als Ort der Begegnung mit Afrikanischer Kunst, Musik und Kultur. Neben einer Sammlung Moderner Afrikanischer Kunst und Literatur beheimatet das Afrikahaus auch Afrikanische Musik und Musikinstrumente. Im Rahmen der Fachtagung "Musik | Kultur | Migration" wird dabei eine besondere Musikrichtung vorgestellt, deren Wurzeln eine kontinentenübergreifende Migration vollzog: Die Kwela Musik, die durch den Jazz aus Amerika einen eigenen Stil in Südafrika entwickelte und in der euroäischen Form, der Skiffle Music, auch den Beat beeinflusste. Gemeinsam mit dem Auditorium werden wir die Musik praktisch erkunden und für eine kurze Zeit die größte Kwelaband der Welt sein.


3. Zeitslot I 15.00 - 16.30 Uhr

Dokumentarfilm mit anschließendem Gesprächsaustausch/Diskussion

Klang für Herz und Seele; Sufi Musik für den Alltag
Jameleddine. Ben Abdeljelil

Heart and Spirit (L ́esprit et l ́âme)
(Tunesien 2003, R: Molka Mahdaoui, BetaSP, 52 min, Omengl.U)

Der Film folgt der Reise eines tunesischen Chores, der religiöse Lieder aufführt, und fesselt mit den Liedern, den Rhythmen, Gesichtern und Orten. Sichtbar wird eine allgegenwärtige Spiritualität, die in den Familien und Gemeinschaften gelebt wird und sich vom urbanen Leben nährt. Der Film zeigt auf, wie sich das Profane und das Heilige im Koran verschränken. 
 

L'esprit et le coeur (heart and spirit) 
Director: Molka Mahdaoui | Producer: Yves Billon
Genre: Documentary | Produced In: 2003 | Story Teller's Country: France
Tags: Community, Culture, Divine, Middle East, Spiritual Awareness, Tunisia


Synopsis: Heart and Spirit is a travel. This travel follows the route of a particular Tunisian sacred chants group, which performs in families’ home to present the Tunisian traditional, Hebz Al-Latif. Months after months, this group follows their moments of life. What makes the group particularly special is first the voice of Ahmed Jelmam, a young sheikh who founded the group, but also the young age of its members and fate which thankfully led them to meet the right people and make a CD, the immediate and unexpected success of which still surprises them. During this travel we absorb music, chants, rhythms, faces and places. We will discover a form of spirituality which doesn’t take place in a secluded mystical place, but nurtures on urban fabric. It is an everyday life spirituality taking place in families’ homes. It reminds us that according to Islam the temporal and the spiritual are not separated.
Direct access : http://www.zaradoc.com/en/documentaires/heart-and- spirit/